Turniermarathon in Warschau

Deutsche Ringer mit gelungener WM-Generalprobe / Christian John (Eisenhüttenstädter RC) glänzt mit Silber / Auch Erik Weiß (RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) noch mit Chancen auf ein WM-Ticket


Warschau – Ein Riesen-Ringkampfevent wurde am vergangenen Wochenende in Warschau (POL) ausgetragen, denn generell sind die Wettkämpfe in Polen jedes Jahr für die Freistilringer, die Griechisch-Römisch-Spezialisten, sowie für die Frauen einige Wochen vor den Weltmeisterschaften schon mehr als nur zu einer Generalprobe geworden, denn gleich mehrere Nationen kämpfen dort ihre Teams aus, die dann bei den Weltmeisterschaften um Titel und Medaillen kämpfen werden. Und wenn führende Nationen wie Russland, die Ukraine, Bulgarien, oder der Iran gleich mehrere Ringer je Stilart und Gewichtsklasse auf die Matten schicken, dann kommt ein großer Teil aktueller Weltklasseringer zusammen. In diesem Feld vorn zu landen, ist schon eine grandiose Leistung. Und dass es gleich mehreren, deutschen Kaderathleten gelang auf Medaillenränge vorzustoßen, ist aus Sicht des DRB ein gutes Zeichen für die anstehenden, Welttitelkämpfe.

Christian John (Eisenhüttenstädter RC) stand nach starken Kämpfen im schwersten Limit bis 130 kg mit schönen Wurftechniken ebenfalls im Kampf um Gold, den er gegen den Chinesen Meng verlor. Zuvor hatte John gegen Arata Sonota (JPN), Vitalii Shchur (RUS) und Lyubomir Dimitrov (BUL) Siegpunkte einfahren können. Silber damit auch für den Eisenhüttenstädter, der sich mit seinem Kampfstil das Lob von Bundestrainer Michael Carl einheimste. Eduard Popp (VfL Neckargartach) hatte mit dem Weltmeister von 2006 und 2013 Heiki Nabi (EST) gleich ein ganz schweres Los gezogen und schied nach einer Niederlage aus, da der Este das Finale verfehlte. 

Für eine Sensation sorgte Matthias Maasch (71 kg/SV Wacker Burghausen), der den 2. Platz belegte. Im Finale unterlag der DRB-Ringer dem Olympiazweiten Tamas Lörincz (HUN). Auf dem Weg in den Endkampf bezwang Maasch den Ägypter Ibrahim Ghanem und Petter Karlsen (NOR). Im Halbfinale lag Maasch gegen den Russen Denis Murtazin schon mit 0:4 zurück, drehte den Kampf jedoch noch 6:4 zu seinen Gunsten und zog ins Finale ein.
 

Erik Weiß (59 kg/RSV Hansa 90 Frankfurt/O.) gelang ein Auftakterfolg gegen Serif Kilic (TUR). Der Frankfurter musste im Achtelfinale jedoch eine Niederlage gegen den Japaner Shota Tanokura hinnehmen und schied aus, da sein Kontrahent das Finale verfehlte. Doch auch den unmittelbaren Kontrahenten um das WM-Ticket nach Las Vegas traf es hart, Deniz Menekse (SV Joh. Nürnberg) schied schon nach dem ersten Duell in der Qualifikation aus. Die WM-Nominierung dieser Gewichtsklasse, in der in Warschau 36 Ringer (!) antraten, liegt nun in der Entscheidungsgewalt des Bundestrainers.


In der Länderwertung erreichte Deutschland den 2. Platz unter 27 (!) angereisten Nationen, darunter  auch viele Länder, die dem Weltspitzenniveau derzeit den Stempel aufdrücken.


Bereits am Freitag waren es die Freistilspezialisten, die um die Medaillen kämpften. Zweimal Bronze und zwei fünfte Ränge, so die Bilanz der Schützlinge um Freistil-Bundestrainer Sven Thiele.
Auf dem Bronzerang stand Schwergewichtler Nick Matuhin (125 kg/1. Luckenwalder SC), der zunächst Eduard Bazrov (RUS) und Mihaly Nagy (HUN) aus dem Rennen warf. Pech hatte Matuhin im Halbfinale gegen Aleksei Nikolaev (BUL), dem er hauchdünn mit 7:8 Wertungspunkten unterlag. Mit Wut im Bauch fegte der Luckenwalder Freistilspezialist im Kampf um Bronze den Ägypter Khaled Mohamed mit 10:0 vorzeitig von der Matte.

Emanuel Krause (57 kg) der wie Matuhin im Stützpunkt Luckenwalde trainiert, ließ in Warschau mit einem 5. Platz aufhorchen. Mit 0:3 unterlag der Deutsche Vizemeister diesen Jahres dem späteren Finalisten Azamat Tuskaev mit 0:3 Wertungspunkten, setzte sich jedoch in der Hoffnungsrunde gegen den Ukrainer Petro Bileychuk durch. Im Kampf um Bronze unterlag Krause gegen den Franzosen El-Quarraggue und beendete das Turnier im leichtesten Limit auf Rang 5.
Auch Martin Obst (74 kg/1. Luckenwalder SC) verdiente sich auf Grund einer starken, kämpferischen Leistung das Lob des Bundestrainers Sven Thiele. Der sah zwei kampfbetonte Auftaktsiege seines Ringers gegen die beiden international erfahrenen Kontrahenten Soner Demirtas (TUR) und Krisztian Brzozowski (POL). Auch Nikita Suchkov (BUL) schickte Martin Obst mit einer knappen Niederlage zurück in die Trainerecke. Erst der Japaner Sohsuke Takanaki konnte Obst im Halbfinale stoppen, den Kampf um Bronze verlor der Luckenwalder gegen Rezaei Morteza (IRI) nur knapp mit 2:5 Punkten.

Zufrieden zeigten sich nach der schweren Generalprobe die Bundestrainer Sven Thiele (Freistil) und Michael Carl (griechisch-römischer Stil), samt Sportdirektor Jannis Zamanduridis, die nun mit ihren Trainerteams vor der schweren Aufgabe stehen, die WM-Teams zu benennen und den Ringern dann vor den Welttitelkämpfen in Las Vegas (7.-13.9.) den 'Feinschliff' zu geben